Definition: Beschneidung
Bei der Beschneidung, die auch als Zirkumzision bekannt ist, handelt es sich um einen durch einen Urologen ausgeführten chirurgischen Eingriff, bei dem die Vorhaut des Penis teilweise oder vollständig entfernt wird. Dies passiert zum einen aus kulturellen und religiösen Gründen, zum anderen auch zu medizinischen Zwecken zur Vorbeugung von Infektionen und Hautkrankheiten. Die Beschneidung wird bei Frauen und Männern in jedem Alter, einschließlich Säuglingen, vollzogen und kann sowohl mit lokaler Betäubung als auch mit Vollnarkose durchgeführt werden.
Traditionelle und Religiöse Hintergründe
Die Beschneidung ist in vielen Kulturen tief verwurzelt und gilt als wichtiger ritueller Akt. Besonders verbreitet ist dieses Phänomen im Judentum und Islam, was auch in den heiligen Schriften beider Religionen verankert ist, da der Akt mit religiösen Überzeugungen verbunden ist.
Im Judentum gilt sie als ein rituelles Zeichen und symbolisiert den dadurch geschlossenen Bund mit Gott. Sie wird am achten Tag nach der Geburt eines Jungen von einem sogenannten Mohel durchgeführt und trägt den Namen „Brit Mila“.
Im Islam hingegen, wird es als „empfohlene Praxis“ (Sunna) angesehen und zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr durchgeführt. Sie symbolisiert Reinheit und Sauberkeit. Mit der Ausbreitung auf dem afrikanischen Kontinent wird auch die damit einhergehende Beschneidung immer häufiger praktiziert.
Dabei handelt es sich um ein komplexes Thema, welches in religiöser und traditioneller Hinsicht eine Vielzahl an Fragen aufwirft, einschließlich ethischer Überlegungen, Gesundheitsrisiken und Menschenrechtsbedenken.
Medizinische Gründe
Die Beschneidung aus medizinischen Gründen kann verschiedene Gesundheitsvorteile bieten, insbesondere im Hinblick auf die Hygiene und die Prävention bestimmter Erkrankungen. Einer der Hauptgründe für die männliche Zirkumzision ist die Verringerung des Risikos von Infektionen der Harnröhre und der Vorhaut, insbesondere bei unzureichender Hygiene. Die Entfernung der Vorhaut kann die Ansammlung von Bakterien und anderen Krankheitserregern verringern, was zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Infektionen führt.
Darüber hinaus wurde gezeigt, dass sie das Risiko von sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV, HPV (humanes Papillomavirus) und Herpes genitalis verringern kann. Studien haben gezeigt, dass beschnittene Männer ein geringeres Risiko haben, sich mit diesen Infektionen zu infizieren, und gleichzeitig auch das Risiko von Infektionen bei ihren weiblichen Sexualpartnern verringern kann.
Für die weibliche Genitalverstümmelung gibt es jedoch keine medizinische Rechtfertigung, da sie keine Gesundheitsvorteile bietet, sondern im Gegenteil schwerwiegende gesundheitliche Komplikationen verursachen kann, darunter Infektionen, Blutungen, Probleme beim Wasserlassen, chronische Schmerzen und psychische Belastungen.
Gesundheitliche Vorteile
Die Beschneidung kann neben der einfacheren Säuberung des Gliedes durchaus gesundheitliche Vorteile mit sich bringen. Das Risiko an Entzündungen der ableitenden Harnwege oder anderweitige Hautkrankheiten zu erkranken wird dadurch ebenfalls minimiert.
Vorteile:
- Verringerung des Risikos von Harnwegsinfektionen
- Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen (STIs)
- Reduktion des Risikos von Peniskrebs
- Vorbeugung und Behandlung von Vorhautproblemen
- Verbesserung der Hygiene
Formen der Beschneidung
Abhängig von Kultur, Religion, und den Wünschen der betroffenen Person, gibt es unterschiedliche Formen, darunter:
- Vollständige Entfernung der Vorhaut
- Unvollständige Entfernung
- Plastibellmethode (Abschnürung durch Kunststoff-Glocke)
- Erweiterungsplastik (Öffnung der Vorhaut wird vergrößert, nicht verkürzt)
Die Beweggründe des Mannes können unterschiedlich sein, weshalb man auch zwischen einer partiellen (unvollständigen) und einer radikalen (vollständigen) Form der Beschneidung unterscheidet.
Gefahren und Risiken
Wie jeder andere Eingriff, ist auch die Beschneidung nicht frei von Gefahren und Risiken. Mögliche Komplikationen für die durch den Urologen ausgeführte Operation sind mögliche Nachblutungen, Verletzung der Eichel oder eine erneute Vorhautverengung, die durch eine Schrumpfung des Gewebes hervorgerufen werden kann.
Beschneidung beim Mann
Die männliche Beschneidung umfasst in der Regel die Entfernung der Vorhaut des Penis. Sie stellt ein zentrales religiöses Ritual dar und soll das Risiko von Harnwegsinfektionen und sexuell übertragbaren Krankheiten minimieren. Viele Männer berichten davon, einen verstärkten Höhepunkt beim Geschlechtsverkehr zu verspüren. Nach dem Eingriff sollte allerdings mindestens drei Wochen auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden, sodass die Heilung vollständig abschließen kann. Bei Männern wird die Beschneidung als eine Form der körperlichen Modifikation angesehen, die sowohl aus religiösen als auch kulturellen Gründen gerechtfertigt sein kann.
Beschneidung bei der Frau
Die weibliche Genitalverstümmelung ist hingegen keine religiöse Pflicht und wird in einigen Gesellschaften ebenfalls aus traditionellen oder kulturellen Gründen praktiziert. Anders als bei den Männern, gibt es bei den Frauen keinerlei gesundheitliche Vorteile und hinzukommt, dass ihre Durchführung mit erheblichen Risiken verbunden ist und langfristig gesehen, sowohl zu körperlichen, als auch zu psychischen Schäden beitragen kann. Sie wird oft als Mittel zur Kontrolle der weiblichen Sexualität angesehen. Die weibliche Genitalverstümmelung wird von der Weltgemeinschaft und Menschenrechtsorganisation als eine schwere Menschenrechtsverletzung betrachtet.