Definition: Incubus
Der Incubus ist ein männlicher Dämon, der sich nachts auf schlafende Frauen stürzt, um sich mit ihnen zu paaren. Das Aussehen des Incubus variiert je nach Darstellung, aber meistens hat er eine annähernd menschliche Gestalt und ist sehr attraktiv. Manche Künstler malen ihn zusätzlich mit spitzen Ohren, ledrigen Flügeln oder Hörnern, um seine dämonische Seite zu betonen.
Ursprünge des Incubus
Schon die alten Sumerer, Griechen und Römer hatten ihre eigenen Geschichten von Dämonen, die sich nachts an Menschen vergehen. Im Mittelalter waren die Leute sogar fest davon überzeugt, dass diese Dämonen eine echte Gefahr darstellten. Unerklärliche Schwangerschaften oder sexuelle Träume wurden häufig durch Incubus-Heimsuchungen erklärt. In manchen Erzählungen sammelt der Incubus auch das Sperma von Männern, um anschließend schlafende Frauen damit zu befruchten.Incubus vs. Succubus
Es gibt nicht nur einen männlichen Sex-Dämonen. Der sogenannte „Succubus“ ist das weibliche Äquivalent zum Incubus. Der Succubus wird meistens als eine sehr aufreizende Frau dargestellt, manchmal auch mit typisch dämonischen Merkmalen wie einem Teufelsschwanz, Flügeln und Hörnern. Die Geschichten über sie sind ähnlich, nur dass sich der Succubus über schlafende Männer hermacht und deren Samen stielt. Manchmal pflanzt auch der Succubus diesen gestohlenen Samen in schlafende Frauen ein.Erklärungen aus der medizinisch-psychologischer Sicht
Die Psychologie hat eine Erklärung für die Geschichten von Incubi und anderen Schlafdämonen, und zwar das Phänomen der Schlafparalyse. So beschreibt man einen Zustand, in dem der Körper den Übergang von Schlafphase zu Wachphase nicht vollständig auslöst, weshalb man sich geistig bei vollem Bewusstsein fühlt, aber die Muskulatur des Körpers noch nicht unter Kontrolle hat. Betroffene berichten auch von traumähnlichen Halluzinationen in Form von dunklen Gestalten am Rand des Bettes. Für Menschen, die diese Erfahrung machen mussten, ohne eine medizinische Erklärung dafür zu haben, muss dieses Erlebnis sehr beängstigend gewesen sein. So verbreiteten sich Geschichten über Schlafdämonen immer weiter.Der Incubus kommt zudem aus einer Zeit, in der Sex ein Tabuthema war und man sich vieles nicht erklären konnte. Sexuelle Lust, vor allem bei Frauen, galt als Sünde. Sexuelle Träume und damit zusammenhängende Orgasmen und Samenergüsse während des Schlafs wurden deshalb häufig durch das Erscheinen eines Incubus oder Succubus erklärt. So war eine dämonische Macht für diese Sünde verantwortlich, und nicht die schlafende Person.
Ein Dämon, der Frauen im Schlaf heimsuchte, war damals ebenfalls eine plausible Erklärung für unerwünschte Schwangerschaften. Vor allem außereheliche Schwangerschaften waren ein tiefgreifendes Vergehen, da Frauen ihre Sexualität zu dieser Zeit nicht frei ausleben durften. Während der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung beschuldigte man Frauen dagegen oft, freiwillig Geschlechtsverkehr mit dem Teufel zu haben. Dies wurde als bewusster Sündenakt betrachtet und dementsprechend bestraft.
In Kunst und Medien
In der Kunst wird das Motiv „Incubus“ häufig aufgegriffen, um eine bedrohliche Szenerie zu schaffen, die vor allem im Christentum vor sexueller „Sünde“ warnen soll. Das Gemälde „Der Alptraum" von Johann Heinrich Füssli zeigt beispielsweise einen Incubus-artigen Dämon auf der Brust einer schlafenden Frau. In vielen Romanen und Filmen wird der Incubus und die nächtliche Heimsuchung von Dämonen thematisiert, beispielsweise in Horrorfilmen wie „Incubus – Mörderische Träume“. Auch in klassischer Literatur, zum Beispiel in Goethes Faust, wird das Thema aufgegriffen.In pornografischen Darstellungen wird der Incubus oft als Verkörperung sexueller Begierde und Verführung gezeigt. Diese Darstellungen spielen mit der Fantasie des Verbotenen und des Übersinnlichen. Der Incubus wird häufig als unwiderstehlicher Liebhaber dargestellt, der die sexuellen Wünsche seiner Opfer mit übernatürlicher Leidenschaft erfüllt.