Definition: Somnophilie
Konsens als zentrale Voraussetzung
Ein wesentlicher Punkt in der Auseinandersetzung mit Somnophilie ist die Unterscheidung zwischen Fantasie und realem Verhalten.
- In vielen Fällen bleibt die Vorliebe rein gedanklich oder wird einvernehmlich inszeniert, z. B. durch vorher abgesprochene Rollenspiele zwischen Partner*innen, bei denen eine Person vorgibt zu schlafen.
- In diesen Kontexten ist klarer, vorheriger Konsens die Voraussetzung dafür, dass alle Beteiligten sich sicher fühlen.
Aber Vorsicht: findet die Handlung ohne Zustimmung der schlafenden Person statt, überschreitet das ethische und v.a. rechtliche Grenzen und kann als sexueller Übergriff oder Missbrauch gewertet werden. Dies hat entsprechende strafrechtliche Konsequenzen.
Somnophilie in der Forschung
In der klinischen Sexualwissenschaft gilt Somnophilie als seltene Paraphilie, die bislang nur in begrenztem Umfang wissenschaftlich untersucht wurde. In den 1980er Jahren wurde der Begriff vom Sexualforscher John Money das erste mal eingeführt. Seitdem wird der die Somnophilie immer wieder in Fachliteratur erwähnt, wenn es z.B. um andere paraphile Störungen geht. In Diagnosesystemen wie dem ICD-11 oder DSM-5 wird Somnophilie nicht als eigenständige Störung gelistet, kann aber unter „sonstige spezifizierte Paraphile Störungen“ eingeordnet werden. Insbesondere dann, wenn die Vorliebe mit Leidensdruck oder dem Risiko von Grenzüberschreitungen verbunden ist.
Umgang in der therapeutischen Praxis
Wenn eine Person ihre somnophilen Fantasien als belastend empfindet oder Sorge hat, Grenzen zu überschreiten, kann eine psychologische oder sexualtherapeutische Begleitung sinnvoll sein. Ziele einer solchen Therapie können sein:
- das Verstehen der eigenen sexuellen Fantasie
- das reflektierte, sichere Ausleben im Rahmen freiwilliger und legaler Handlungen
- die Bearbeitung möglicher Schuldgefühle, Ängste oder Impulse, die nicht kontrollierbar erscheinen
Wichtig ist: Nicht jede ungewöhnliche Fantasie ist behandlungsbedürftig. Entscheidend ist, ob sie Leid erzeugt oder mit dem Risiko einhergeht, anderen Menschen zu schaden.
Fazit
Somnophilie ist eine wenig bekannte, aber reale Form sexueller Fantasie, bei der der Reiz im Zusammenhang mit schlafenden oder bewusstlosen Personen steht. Solange die Fantasie einvernehmlich, sicher und reflektiert ausgelebt wird wie etwa im Rahmen von Rollenspielen, ist sie kein pathologisches Verhalten. Kritisch und rechtlich bedenklich wird es jedoch dort, wo kein Konsens möglich ist oder bewusst ignoriert wird. Wie bei allen paraphilen Interessen gilt: Offenheit, Selbstreflexion und der respektvolle Umgang mit den eigenen Wünschen und denen anderer sind die Basis für ein gesundes, selbstbestimmtes Sexualleben.