Definition: Hymen
Welche Funktionen hat er?
Damals und teilweise heute noch war die weibliche Jungfräulichkeit ein Zeichen von Unberührtheit der Frau oder des Mädchens. Es gibt sogar Operationen, durch die vaginale Haut zusammengenäht wird, um einen intakten Hymen nachzuahmen und dann beim Geschlechtsverkehr wieder „aufzureißen“. Im weiblichen Körper erfüllt das Jungfernhäutchen jedoch keine besonderen Aufgaben. Manche Wissenschaftler munkeln, dass er die Scheide vor Bakterien schützen soll, jedoch gibt es dafür keine eindeutigen Beweise. Diese Schleimhautfalte gilt als Überbleibsel aus der Embryonalzeit und war anfangs komplett verschlossen, öffnet sich dann aber meist vor der Geburt des Mädchens. Wenn die Pubertät einsetzt, verformt sich die Schleimhautfalte zu einem weicheren und dehnbaren Saum und hat im Erwachsenenalter keine belegbaren Funktionen mehr.
Jungfernhäutchen
Der Begriff „Jungfernhäutchen“ legt einem nahe, dass es sich um eine Art Siegel oder Schloss handelt, das bis zum ersten Mal intakt bleibt und dessen Existenz Jungfräulichkeit beweist. Dieses Konzept ist jedoch medizinisch inkorrekt und verfestigt viele Mythen über den weiblichen Körper und Sexualität, die leider immer noch in Filmen, Serien, Bräuchen und Schulbüchern weitverbreitet sind.
Die Nutzung des neutraleren und wissenschaftlich akkurateren Begriffs „Hymen“ unterstützt dabei, die medizinische Sicht von den kulturellen und sozialen Assoziationen zu trennen, die mit dem Konzept der Jungfräulichkeit verbunden sind. Dieser Begriff fördert eine gesündere, aufgeklärte Fassungsgabe der weiblichen Anatomie und verringert die sozialen Vorurteile, die mit dem Zustand des Hymens verbunden sein kann.
Wie reißt er?
In verschiedenen Situationen, wie durch Sexspielzeuge, Geschlechtsverkehr oder Selbstbefriedigung, ist es möglich, dass der Hymen gedehnt oder in manchen Fällen leicht eingerissen werden kann. Obwohl es oft anders dargestellt wird, ist es nicht bewiesen, dass das Jungfernhäutchen beim Sport oder durch Tampons reißen kann. Manchmal kann die vaginale Schleimhautfalte bei der natürlichen Geburt eingerissen werden, das hängt, aber von Form und Größe ab und wie schnell er verletzt werden kann. Manche Frauen haben nur eine kleine Öffnung, was das Einführen von Tampons möglicherweise erschwert. Die Blutung beim ersten Mal ist jedoch ein Phänomen, das bei Verletzungen der Vagina oder Vulva durch Verkrampfung ausgelöst wird und muss auch nicht immer schmerzhaft sein.
Mythen
Es sind einige Mythen zum Thema Jungfernhäutchen vorhanden, einige der verbreitetsten Mythen werden wir nun mit Erklärungen aufdecken.
- Der Hymen ist ein Zeichen für Jungfräulichkeit.
Falsch! Der Hymen kann durch unterschiedliche Aktivitäten, die nichts mit Sex zu tun haben, gedehnt oder leicht eingerissen werden, zum Beispiel durch Selbstbefriedigung oder medizinische Untersuchungen. Der Zustand des Hymens ist daher kein verlässlicher Indikator für Jungfräulichkeit.
- Der Hymen wird beim ersten Mal unter Blutungen und Schmerzen komplett zerrissen.
Falsch! Der Hymen ist in allen Entwicklungsphasen mehr oder weniger dehnbar, man kann es sich wie einen Kranz vorstellen, der nicht komplett zerrissen werden kann. Viele Frauen und Mädchen erleben beim ersten Mal weder Schmerzen noch Blutungen.
- Der Hymen kann durch Sport, Tampons oder Selbstbefriedigung reißen.
Falsch! Es gibt keine Belege dafür, dass diese Behauptungen wahr sind. Das Jungfernhäutchen ist kein festes Gewebe, sondern sehr dehnbar. Oft trauen sich junge Mädchen nicht, aus Angst vor Schmerzen oder Unkenntnis der Scheidenanatomie, ein Tampon einzuführen und verkrampfen. Beim Einsatz von Tampons oder bei sportlichen Aktivitäten wie Reiten kann die vaginale Schleimhautfalte gedehnt werden, aber das führt nicht unbedingt zu Rissen oder dauerhaften Veränderungen.
- Das Jungfernhäutchen verschließt die Scheide.
Falsch! Die vaginale Schleimhautfalte hat eine natürliche Öffnung, durch die Scheidenausfluss und Menstruationsblut ablaufen können. Etwa eines von 2.000 Mädchen ist von einer „Hymenalatresie“ betroffen, bei der der Hymen den Scheideneingang komplett verschließt. Das wird jedoch erst bemerkt, wenn die Periode kommt und das Menstruationsblut nicht abfließen und bei größeren Mengen sich zurück bis in die Gebärmutter oder sogar in die Eileiter anstauen kann. Dieses Problem ist aber durch einen mikrochirurgischen Eingriff leicht zu beheben.